"Der Dunkle Parabelritter": Student mit großem Publikum

08.12.2020 von Maximilian Kröger in Campus, Varia
Student, Webvideoproduzent, Musikjournalist, Textillabel-Gründer, Festivalorganisator, Tagungsredner – das alles ist Alexander Prinz. Deutschlandweit bekannt ist er vor allem für seinen erfolgreichen YouTube-Kanal „Der Dunkle Parabelritter“, der sich mit dem Musikgenre Metal befasst. Seine Karriere hat er parallel zu seinem Lehramtsstudium an der Uni Halle aufgebaut.
Alexander Prinz alias „Der Dunkle Parabelritter“
Alexander Prinz alias „Der Dunkle Parabelritter“ (Foto: privat)

Bereits mit zwölf Jahren hat Alexander Prinz seinen ersten Fantasy-Roman geschrieben. „Das waren 600 handschriftlich verfasste Seiten – und natürlich war das nicht wirklich gut“, sagt der heute 26-Jährige. Die Fantasy hat Prinz dennoch nicht verlassen, wie auch das Pseudonym zeigt, mit dem er im Internet bekannt geworden ist: „Der Dunkle Parabelritter“. Der Name geht auf ein fingiertes Ritter-Duell in der neunten Klasse zurück. Prinz zweckentfremdete für seine „Ausrüstung“ eine Parabel-Schablone als „Schild“. Sein schwarzes T-Shirt mit dem Logo einer Musikband komplettierte das Bild.

Als „Der Dunkle Parabelritter“ gilt Lehramts-Student Prinz als erfolgreichster deutscher YouTuber, der sich mit dem Musikgenre und der Subkultur Heavy Metal, kurz Metal, beschäftigt. Seine Videos wurden bis heute rund 46 Millionen Mal geklickt. „Das Glück ist dem Tüchtigen hold, sagen die Leute. Und ja: Ich habe viel gearbeitet, um dorthin zu gelangen, wo ich heute bin. Aber ich hatte auch echt Glück“, sagt Prinz. Denn geplant hatte er seine YouTube-Karriere nicht: Sein erstes Video auf der Plattform verarbeitete noch die Trennung von seiner ersten Freundin. „Dann hatte ich Lust, über die Musik zu sprechen, die ich auch höre. So kam eins zum anderen.“ Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: In Deutschland gab es bis dahin niemanden, der sich auf YouTube explizit mit der Metal-Szene beschäftigt hat. So wurde der YouTuber für alle Fans des Genres die erste Anlaufstelle.

Als Prinz 2013 sein Lehramtsstudium für Deutsch und Geografie an Gymnasien an der Universität Halle antrat, produzierte er seit einem Jahr Videos für „Der Dunkle Parabelritter“. Für die MLU habe er sich wegen der Fächerkombination entschieden, die in der Form nicht von vielen Universitäten angeboten wurde. „Mein grundlegendes Interesse für Pädagogik hat sich im Studium noch verstärkt“, so Prinz. Gerade moderne Lernmethoden hätten ihn immer angetrieben, weswegen er zeitweise am Zentrum für multimediales Lehren und Lernen (LLZ) der MLU gearbeitet und sich mit Vorlesungsaufzeichnungen befasst hat.

Zum Studienbeginn hatte Prinz um die 4.000 Abonnenten auf YouTube: „Eine sehr überschaubare Anzahl an Zuschauern. Da habe ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, ob ich damit Karriere machen könnte.“ Die ersten beiden Semester hat sich Prinz deshalb auf sein Studium konzentriert. Ihm zufolge umfasste sein Arbeitspensum 36 Semesterwochenstunden. Besonders gut sind ihm die Seminarfahrten in beiden Wahlfächern in Erinnerung geblieben. Prinz: „Wir haben uns im kleinen Kreis intensiv mit konkreten Themen beschäftigt – mit der richtigen Prise Laissez-faire. Zum Beispiel waren wir in Deutsch eine Woche am Wannsee, um über Dystopien wie in George Orwells‘ 1984 zu reden.“

Kein Mangel an Projekten

Nachdem er die ersten beiden Semester mehr Kurse als im Lehrplan vorgesehen belegt hatte, widmete sich Prinz ab 2014 wieder verstärkt seinem YouTube-Kanal. Je mehr der Kanal und seine Reichweite wuchsen, desto mehr verlagerte sich sein Lebensmittelpunkt. „Irgendwann musste ich mich entscheiden: Wenn ich als YouTuber Karriere machen möchte, dann ist das ein Vollzeit-Job“. Sein Studium hat er fast abgeschlossen, ihm fehlen noch die Abschlussprüfungen für das Staatsexamen. Prinz hat auch fest vor, diese zu schreiben, jedoch: „Ich müsste mich nochmal intensiv mit den Teilbereichen beschäftigen – deswegen warte ich darauf, dass ich zwei Monate am Stück Zeit habe, um mich voll darauf zu konzentrieren.“

Wann dieser Zeitpunkt kommen wird, kann er im Moment nicht sagen. Prinz mangelt es nicht an fortlaufenden Projekten. 2016 gründete er mit Jörn Rohrberg, damals ebenfalls Student an der MLU, das Online-Magazin „Silence“. Das Ziel war es, eine unabhängige Plattform für Musikjournalismus mit dem Schwerpunkt Metal zu etablieren. Mit Rohrberg hat er im Folgejahr auch „Von Tiling“, das erste vegane Fair-Trade-Modelabel für Metal-Fans, aufgezogen. Zwei frisch gegründete Unternehmen wären für viele schon Beschäftigung genug – nicht jedoch für Prinz: 2019 hat er erstmals ein eigenes Festival auf der Niederburg im thüringischen Kranichfeld veranstaltet. Auf das „Sternenklang Festival“ ist er auch am meisten stolz: „Es genießt jetzt schon einen guten Ruf in der Szene. Dort habe ich zum ersten Mal live gesehen, dass das, was ich mache, die Leute begeistert. Das ist ein unfassbares Gefühl. Das bedeutet mir viel mehr als virtuelle Klicks und Abonnements.“

Workshops zu Toleranz

Trotz seiner unternehmerischen Schwerpunkte ist Prinz das Pädagogische nie abhandengekommen. „Wenn man wie ich in der Öffentlichkeit steht und zigtausend junge Zuschauerinnen und Zuschauer hat, dann ist es völlig fraglos, dass man die richtigen Werte vermittelt“, sagt er. Für die Initiative „#NichtEgal“ mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey als Schirmherrin war Prinz Botschafter für Toleranz und Demokratie im Internet. Dafür ist er auch direkt an Schulen gefahren, um Workshops zum respektvollen Umgang miteinander und positiver Kommunikationskultur zu leiten. „Mir war es schon immer wichtig, auch etwas zu vermitteln und nicht nur zu produzieren, um Geld zu verdienen“, betont Prinz. Er tritt auch als Gastredner bei Fachtagungen zu den Schwerpunkten Neue Medien, Online-Marketing und Medienpädagogik auf. In dieser Rolle war er Ende Januar zuletzt an der MLU. Im Rahmen des Seminars „Berufsfelder für Musikwissenschaftler“ sprach Prinz mit anderen Studierenden über Chancen und Risiken in der Branche.

Bei den Chiemgauer Medienwochen hätte er Mitte März 2020 eine Keynote gehalten – diese wurden wegen der Corona-Pandemie jedoch gecancelt. Auch das diesjährige „Sternenklang Festival“ musste abgesagt werden. Während „Von Tiling“ nun Mund-Nasen-Bedeckungen vertreibt, baut Prinz seinen Kanal auf der Live-Streaming-Videoplattform Twitch aus oder besuchte mit einem Fernsehteam von ZDFkultur die Gemeinde Wacken, um mit Anwohnern über das abgesagte „Wacken Open Air“, eines der weltgrößten Musikfestivals für Metal-Fans, zu sprechen. Und: 13 Jahre nach dem ersten Versuch schreibt er auch wieder an einem Buch, das im Februar bei Riva erscheinen wird.

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