Neue Ausstellung: Wie wir einander in Schubladen stecken
![Die Ausstellung „Menschen sort[ier]en“ macht sichtbar, wie Menschen einander im Alltag einordnen – etwa in einer nachgebauten Bar.](/site/assets/files/218896/168555_ausstellung_menschen_sortieren_foto_nikola_schellmann.-3zu2.1000x0.jpg)
Herr Laubner, die neue Ausstellung trägt den doppeldeutigen Titel „Menschen sort[ier]en“. Was hat es damit auf sich?
Marian Laubner: Das erleben Besucherinnen und Besucher direkt am Eingang: Wer in die Ausstellung möchte, muss sich anhand von zwei Kategorien zwischen der linken und der rechten Tür entscheiden. Damit sind die Gäste sofort mittendrin in dem, was auch das Wortspiel im Titel ausdrückt: „Menschensorten“ sind nicht natürlich gegeben, sondern entstehen erst dadurch, dass wir Menschen aktiv sortieren.
Wie macht die Ausstellung dieses Sortieren sichtbar?
Wir zeigen es an mehreren alltäglichen Orten und Bereichen, die wir nachgebaut haben, unter anderem in einer Sportumkleide und einer Bar. Bleiben wir bei der Bar: Wenn wir sie betreten und Fremde sehen, fangen wir sofort an, sie einzuordnen – nach Geschlecht, Alter, Aussehen, Ähnlichkeiten oder sogar nach Gerüchen.
Sie forschen und lehren im Arbeitsbereich Grundschulpädagogik der MLU. Warum ist das Thema gerade mit Blick auf Schule und Bildung spannend?
In der Schule und im Unterricht wird ununterbrochen unterschieden, sowohl durch die Lehrkräfte als auch unter den Schülerinnen und Schülern selbst. Für angehende Lehrerinnen und Lehrer ist es wichtig zu reflektieren, wie sie einteilen und welche Bedeutung sie diesen Einteilungen zuschreiben: Teile ich eine Gruppenarbeit per Zufall ein oder zum Beispiel nach Leistung? Wer bekommt zusätzliche Förderung – und dürfen die Kinder mitentscheiden?
Entwickelt wurde die Schau vom Sonderforschungsbereich „Humandifferenzierung“ der Universität Mainz, wo sie im vergangenen Jahr zu sehen war. Wie kam sie denn nach Halle?
Ich habe mich in meiner Doktorarbeit intensiv mit der Theorie der Humandifferenzierung beschäftigt. Als ich auf Social Media gesehen habe, dass in Mainz eine Ausstellung dazu stattfindet, habe ich den Kolleginnen und Kollegen spontan geschrieben und gefragt, ob die Schau auch wandern kann. So ist diese Zusammenarbeit entstanden, deren Vorbereitung fast anderthalb Jahre gedauert hat. Das war sehr intensiv, weil es eben keine Wanderausstellung war, die man einfach irgendwohin transportieren kann. Deshalb haben wir die Kulissen mit eigenen Requisiten hier in Halle selbst aufgebaut. Außerdem haben wir der Ausstellung auch inhaltlich eine eigene Note gegeben.
Dazu gehört, dass Besucherinnen und Besucher ihren eigenen „Kram“ mitbringen können. Was steckt dahinter?
Wir sammeln in der Ausstellung alltägliche Gegenstände, an denen deutlich wird, wie Menschen unterschieden werden. Eine Kollegin aus der Fakultät hat zum Beispiel einen Comic eingereicht. Während der Begriff „Graphic Novel“ heute für anspruchsvolle Literatur steht, gilt dasselbe Medium als „Comic“ oft als bloße Einstiegslektüre für leseschwächere Kinder. An solchen unscheinbaren Dingen sieht man sofort, wie selbstverständlich wir im Alltag unterscheiden – und genau für diesen Blick möchte die Ausstellung sensibilisieren.
Ausstellung „Menschen sort[ier]en“
Dienstag, 27. Oktober, bis Freitag, 11. Dezember
Hans-Ahrbeck-Haus (Haus 31), Hörsaal im 1. OG
Franckesche Stiftungen, Franckeplatz 1 in 06110 Halle (Saale)
Eintritt frei
Öffnungszeiten:
Montag 16 – 18 Uhr
Dienstag 18 – 20 Uhr
Mittwoch 15 – 19 Uhr
Donnerstag 12 – 14 Uhr
Freitag 14 – 16 Uhr
Und auf Anfrage: marian.laubner@paedagogik.uni-halle.de
