„Inklusion ist nicht nur nice to have“

24.06.2026 von Katrin Löwe in Campus, Hochschulpolitik
Unter dem Titel „Integration – Inklusion – Aktion“ findet am Donnerstag, 2. Juli, ein Symposium statt. Der Anlass: Vor 20 Jahren wurde an der MLU die erste Integrationsvereinbarung verabschiedet, die 2022 von einer Inklusionsvereinbarung abgelöst wurde. Was sich seitdem in Sachen Inklusion getan hat und welche Schwerpunkte die Veranstaltung in der kommenden Woche setzt, erklärt der Behindertenbeauftragte des Senats Prof. Dr. Thorsten Meyer-Feil im Interview.
Thorsten Meyer-Feil
Thorsten Meyer-Feil (Foto: Universitätsmedizin Halle)

Gibt es denn etwas zu feiern? Oder anders gefragt: Wo steht die Uni heute beim Thema Inklusion?
Thorsten Meyer-Feil: Ich würde sagen: Das Glas ist halb voll. In den 20 Jahren hat sich viel getan, in den Köpfen kommt mehr und mehr an, dass Inklusion eine Aufgabe für alle ist – und nicht nur „nice to have“. An der MLU ist die Universitätsleitung dafür sehr sensibilisiert. Das ist ein gutes Zeichen. Und es gibt heute viele, die sich mit dem Thema beschäftigen: eine eigene Stabsstelle für Vielfalt und Chancengleichheit, der Inklusionsbeauftragte des Arbeitgebers, die Schwerbehindertenbeauftragte und ich als Behindertenbeauftragter des Senats, der die ganze Uni und die Studierenden im Blick behält. Dazu kommt das zentrale Inklusionsteam, das sich aus den Genannten und weiteren Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der MLU zusammensetzt, insbesondere auch aus Vertreter*innen der Studierendenschaft. Allerdings muss man auch sagen: Eine „Uni für alle“ sähe anders aus. Ich selbst bin Ende der 1980er Jahre in meinem Zivildienst mit dem Thema Inklusion zum ersten Mal konfrontiert worden und weiß, wie lange gesellschaftliche Umwälzungen dauern. Und ich denke, das Thema wird uns definitiv noch in den nächsten 50 Jahren begleiten.

In der Veranstaltung wollen Sie daher Bilanz ziehen, den Blick aber auch in die Zukunft richten: Was genau sind die Themen am 2. Juli?
Der emeritierte MLU-Professor Johann Behrens wirft einen historischen Blick auf das Thema: Er war 2006 Behindertenbeauftragter des Senats und hat die Integrationsvereinbarung maßgeblich mitgeprägt. Dazu kommt Professorin Katja Nebe, die als Sozialrechtlerin am fundiertesten den rechtlichen Kontext von Behinderung kennt. Als sie noch an der Universität Bremen war, hat sie dort zudem einen der ersten Aktionspläne an deutschen Universitäten mitentwickelt. Unter der Leitung von Professor Rolf Sethe, der bis 2008 an der MLU war, wurde an der Uni Zürich ein Aktionsplan entwickelt, über den er sprechen wird. Wichtig war mir aber auch, die Perspektive der Studierenden aufzunehmen. Drei Mitglieder aus dem Arbeitskreis Inklusion des Stura zeigen sie unter dem Titel „Streuselschnecke mit oder ohne Zucker? Hast du überhaupt die Wahl?“ Am Ende bin ich dann noch einmal dran, um einen Einblick in den ersten „Aktionsplan Inklusion“ der MLU zu geben. 

Der für drei Jahre geltende Aktionsplan wurde vom 2024 neu formierten Inklusionsteam der Universität unter Ihrer Leitung erarbeitet und im Juni vom Senat verabschiedet. Was sind aus Ihrer Sicht die drängendsten Aufgaben?
Der Aktionsplan ist in fünf Handlungsfelder gegliedert. Ein sehr aktuelles Feld ist die Kommunikation. Eine PDF-Datei auf die Website hochzuladen ist schnell gemacht, aber nicht automatisch barrierefrei. Um das Thema wollen wir uns beim Relaunch der Universitäts-Website kümmern. Da geht es um technische Lösungen, aber zum Beispiel auch um Schulungen für ganz viele Redakteure, die auf Barrierefreiheit achten müssen. Das Dringendste jedoch ist, glaube ich, die Umsetzung eines Standards für Nachteilsausgleiche an der gesamten Universität. Die Prüfungsausschüsse gehen heute selbstverständlich mit Nachteilsausgleichen für behinderte und chronisch kranke Studierende um, allerdings hat jede Fakultät da eigene Standards entwickelt. 
  
 

Zur Veranstaltung

„Integration – Inklusion – Aktion.  20 Jahre Integrationsvereinbarung der Martin-Luther-Universität“
Donnerstag, 2. Juli 2026, 16 bis 19 Uhr
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Ernst-Grube-Straße 40, Hörsaal 6 (Haus 4)

Weitere Informationen: https://www.uni-halle.de/universitaet/gremien/senat/behindertenbeauftragter/

Schlagwörter

Inklusion

Kommentar schreiben

Auf unserer Webseite werden Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung verwendet. Wenn Sie weiter auf diesen Seiten surfen, erklären Sie sich damit einverstanden. Einverstanden