„Pioneering Women“: Bilder, die es gar nicht gibt

Zum Beispiel Agnes Pockels (1862-1935), Begründerin der Oberflächenchemie: Sie forschte hauptsächlich in ihrer Küche in Braunschweig und dort, beim Abwasch kam ihr auch die Idee, die Rolle von Seife und Spülmittel genauer in den Blick zu nehmen – beides so genannte amphiphile - zugleich fett- und wasserlösliche - Substanzen. Heute sind diese Substanzen Forschungsthema des Graduiertenkollegs 2670 „Beyond Amphiphilicity“ (BEAM) an der MLU. Dort entstand auch die Idee, Forscherinnen wie Agnes Pockels sichtbar zu machen – mit ihren Biografien, Forschungsleistungen – und im Bild.
Mit der Berliner Wissenschaftsfotografin Gesine Born, die in ihrem Projekt der „versäumten Bilder“ ebenjenen Ansatz verfolgt, entstanden so die KI-generierten Gelehrtenporträts, die es hätte geben müssen, wären die Wissenschaftlerinnen eben keine Frauen gewesen, sondern Männer. Zu sehen ist im Löwengebäude ein Teil der insgesamt 20 Bilder, eine besondere Ausstellung, konzipiert und kuratiert von Prof. Dr. Dariush Hinderberger, Sprecher des GRK, und seinen Mitarbeiterinnen Dr. Imme Sakwa-Waltz und Lisa Krahnefeld.
Zur Eröffnung am Donnerstag stellte denn auch Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker fest, dass in der Vergangenheit Wissenschaft männlich gewesen sei und auch männlich dokumentiert worden sei: „Die fotografierten Bilder können wir nicht herbeischaffen.“ Aber, „wir können die fehlenden Bilder imaginieren“.
Und so sind in der Ausstellung auf den großen Bannern erstmals Wissenschaftlerinnen im Foto zu sehen, die Pionierarbeit geleistet haben. Unter anderen Ada Lovelace, die erste Programmiererin der Welt, oder auch Dorothea Erxleben, die – an der Universität Halle - erste promovierte Ärztin Deutschlands. Insgesamt zeigt die Schau an neun Beispielen den großen Beitrag, den Frauen zu Naturwissenschaften geleistet haben. Auf den Bannern finden sich QR-Codes, die zu ausführlichen Biografien der porträtierten Frauen führen. Begleitend zur Ausstellung ist auch ein Booklet mit weiteren Informationen zur Schau und zum Graduiertenkolleg erschienen, das im Löwengebäude ausliegt.
Ausstellung „Pioneering Women“ im Löwengebäude
6. Februar bis 15. März 2026
Universitätsplatz 11, 06108 Halle (Saale)
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr
Eintritt frei
Eine Folgeausstellung ist im März im halleschen Ratshof zu sehen und kann während der regulären Öffnungszeiten des Gebäudes besucht werden. Die Ausstellung wird am 4. März um 16 Uhr eröffnet. Zu sehen werden weitere Bilder in kleineren Formaten.
Das Projekt und weitere Informationen unter: https://beam.uni-halle.de/women-in-natural-sciences/

