„Wir wollen ein zweites Cluster!“

27.04.2026 von Manuela Bank-Zillmann in Campus
Eine Bilanz der sich dem Ende neigenden Amtszeit hat Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker am vergangenen Freitag in ihrer Festrede anlässlich des Frühjahrsempfangs der Universität gezogen. Vor zahlreichen Gästen aus Politik und Wissenschaft formulierte sie selbstbewusst, dass die MLU nicht nur eine andere, sondern auch eine bessere als vor vier Jahren sei. Der Empfang war Teil des Festtags der Uni, der auch die Übergabe der Promotions- und Habilitationsurkunden, das Frühjahrskonzert und die Mitarbeiterverabschiedung umfasste.
Rektorin Claudia Becker bei ihrer Rede auf dem Frühjahrsempfang der Universität
Rektorin Claudia Becker bei ihrer Rede auf dem Frühjahrsempfang der Universität (Foto: Maike Glöckner)

Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker begrüßte die zahlreichen Gäste des Frühjahrsempfangs der MLU am vergangenen Freitag fröhlich und ohne falsche Bescheidenheit: „Willkommen an unserer exzellenten Universität“. Hintergrund: Die Universität ist die erste und einzige in Sachsen-Anhalt mit einem eigenen Exzellenzcluster, dem „Center for Chiral Electronics“.
 
In Anwesenheit von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann betonte die Rektorin die „großartige Forschungsleistung“ der MLU – zusammen mit der FU Berlin, der Universität Regensburg und dem Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik Halle – und auch „den Mut, sich diesem Wettbewerb zu stellen“. Sie dankte den außeruniversitären Partnern und Verbündeten, auch der „zuverlässigen substanziellen, finanziellen und ideellen Unterstützung aus dem Land.“

Ein Aspekt, den Minister Willingmann in seinem kurzen und launigen Grußwort aufgriff. Er lobte die MLU für ihren gut aufgesetzten internen Prozess mit einer universitären Auswahl von herausragenden Forschungsprojekten. Potenzial für weitere Exzellenzcluster gebe es: „2031 ist die nächste Runde“, gab Willingmann die Richtung an.  

Mit „Exzellent in der Forschung, stark in der Region“ war denn auch die anschließende Festrede der Rektorin überschrieben – so wie auch ihr Editorial im zum Empfang erschienenen Jahrbuch „scientia halensis“ 2025/26. Die Überschrift bringe es auf den Punkt, so Becker: „Mit der exzellenten Forschung und mit der starken Verankerung in der Region gestaltet die MLU, gestalten wir Zukunft.“ 

Neue „scientia halensis“ erschienen

Pünktlich zum Empfang der Universität ist auch die neue „scientia halensis“ erschienen. Das Jahrbuch der MLU präsentiert die großen Themen des Jahres 2025 und gibt damit gleichzeitig einen Einblick in die Entwicklung der Universität in der Zukunft.

Das komplette Heft erscheint in deutscher und englischer Sprache.

Online ist das Magazin hier abrufbar: "scientia halensis"
 

Die aktuelle Zeit sei geprägt von Umbrüchen: „Das betrifft Sprünge im technologischen Fortschritt, das betrifft die ökonomische Situation, die Arbeit, die Infrastruktur, den gesellschaftlichen Zusammenhalt, es betrifft unser aller Lebensalltag.“ Umbrüche aber böten Chancen und eröffneten Spielräume – „für Innovation, für Qualifizierung, für nachhaltige Entwicklung, für aktive Mitgestaltung“. „Und wir als Universität können genau das: Innovationen vorantreiben, Menschen qualifizieren, unsere Welt aktiv mitgestalten und voranbringen. Ich sage das selbstbewusst und voller Überzeugung, denn die Erfolge der letzten vier Jahre belegen das eindrucksvoll“, so die Rektorin. 

Transformation sei daher auch Fokus in vielen aktuellen Forschungsprojekten, die zugleich den Transfer, die Übertragung ihrer Ergebnisse in die Anwendung, beinhalte. „In der Transferstrategie haben wir formuliert: Die MLU positioniert sich als verlässliche Partnerin […] zur Bewältigung der komplexen […] Herausforderungen des Strukturwandels im mitteldeutschen Braunkohlerevier und der damit einhergehenden umfassenden gesellschaftlichen Transfor-mationsprozesse“, führte die Rektorin aus. Inzwischen dürfe man die MLU mit Fug und Recht als Zentrum der Transformationsforschung in Sachsen-Anhalt bezeichnen. „Wir adressieren die größten Herausforderungen wie den demografischen Wandel, Klimawandel und Artensterben, technologische und gesellschaftliche Umbrüche. Wir gestalten den Wandel“, so Becker, die auch die größten Projekte in diesem Kontext benannte: DiP- Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten, das Just Transition Center (JTC) und das Projekt TPG, das sich mit der Digitalisierung in Pflege und Gesundheitsversorgung befasst. 

Rektorin Becker beschäftigte sich in ihrer Rede aber auch mit dem Wandel innerhalb der Universität. „Der Hochschulentwicklungsplan markierte einen Meilenstein in diesem Prozess, den wir als HEP II verinnerlicht haben.“ Nicht nur, dass das Papier finalisiert werden konnte und die Grundlage für den Abschluss der Zielvereinbarungen mit dem Land war: „Wir alle haben durch den HEP-II-Prozess sehr viel miteinander gesprochen, haben uns in einer Intensität ausgetauscht, die ich persönlich vorher universitätsweit so noch nicht erlebt habe. Das hat uns – das Rektorat – den Fakultäten, den Bereichen, der Basis nähergebracht, als es ohne diesen Prozess möglich geworden wäre“, bilanzierte Becker.

Die Aushandlung, so Becker, sei ein wichtiges Element ihrer Amtszeit – nicht nur im HEP II, der auch Profillinien – Transformation, Nachhaltigkeit, Wissenskulturen und Bildung – der MLU festlegte. Auch jetzt gehe es in einem Aushandlungsprozess um die Untersetzung dieser Profillinien mit Forschungsschwerpunkten. „Die aktualisierten Forschungsschwerpunkte werden unsere eigene Weiterentwicklung berücksichtigen und so dazu beitragen, unseren Erfolg in der Forschung langfristig zu stabilisieren. Und ich freue mich unbändig zu sehen, wie engagiert sich unsere Forschenden, die Mitglieder der Forschungskommission und die Dekaninnen und Dekane in ihren Fakultäten und über die Disziplinen und Fakultäten hinweg vernetzen, austauschen und ihre Stärken zusammenbringen, um die für die nächsten Jahre tragenden Forschungsschwerpunkte zu definieren und zu prägen“. 

Nach der Forschung fokussierte die Rektorin auch auf die Lehre an der MLU und lobte, dass nun alle Studiengänge akkreditiert seien – bis auf die Staatsexamina, die nicht in den akkreditierungsbedingten Prozess der Qualitätssicherung fielen, die jedoch besonderes Augenmerk verdienten. Beispiel Lehramt: „Unsere Kinder sollen die Persönlichkeiten werden, die das Zusammenleben der Zukunft gestalten. Wir machen diejenigen, die diese künftigen Generationen prägen – die Lehrerinnen und Lehrer nämlich – fit für diese Aufgabe.“ Die MLU sei kompetent, „weil wir Fachwissenschaft und Fachdidaktik klug verbinden; weil wir auf wissenschaftlicher Erkenntnis fußen und nicht auf subjektivem Empfinden; weil wir wissen, dass und wie Wissen aktualisiert werden muss; weil Wissenschaft Wissen schafft. Und weil wir wissen, dass Bildung von Lehrkräften weit mehr bedeutet als eine Ausbildung.“ Herausforderungen diskutiere man regelmäßig und in enger Kooperation mit der Politik, so Becker.

Netzwerk „Campus & Klassenzimmer“

Im Rahmen des Festtags der Universität ist am vergangenen Freitag auch ein Kooperationsvertrag zwischen der MLU und vier halleschen Schulen unterzeichnet worden. Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker und die Vertreterinnen und Vertreter der Schulen unterschrieben den entsprechenden Vertrag im Sessionssaal der MLU. Das Netzwerk soll den Austausch zwischen schulischer Praxis, Bildungswissenschaft und Fachdidaktik auf eine neue Grundlage im Sinne von Universitätsschulen stellen – mit dem Ziel, Unterricht gemeinsam weiterzudenken und Lehrkräftebildung noch enger an die aktuellen Herausforderungen von Schule anzubinden. (Mehr dazu in der Pressemitteilung)

Den Bedeutungszuwachs, den das Thema Lehre an der Universität generell habe, spiegele sich auch beim erfolgreichen „Tag der Lehre“ wider, der jährlich neue Impulse setze. Ebenso gebe es als Orientierungsrahmen und Verpflichtung zum ersten Mal nun auch ein Leitbild Lehre

Rektorin Becker stellte in ihrer Rede aber auch fest, dass es eine neue gesellschaftliche Transformation gebe: „Wir stehen vor Herausforderungen, mit denen wir umgehen müssen. Und ich sage: Wir können mit diesen Herausforderungen umgehen!“ Für die Universität sei gesellschaftlicher Zusammenhalt auch Internationalisierung und internationale Sichtbarkeit. Internationalität sei integraler Bestandteil von Wissenschaft, internationaler Austausch belebe Forschung und Lehre, mache sie bunter und vielfältiger. „Um diesem Selbstverständnis sichtbar Ausdruck zu verleihen, arbeiten wir an der Aktualisierung unserer Internationalisierungsstrategie. Ziel ist es, noch in diesem Sommersemester eine neue Strategie zu verabschieden“, so Becker. „Internationalisierung bedeutet für uns internationale Kooperationen, internationale Studierende, somit auch internationale Studiengänge, in denen unter anderem in englischer Sprache gelehrt wird. Sie bedeutet für uns, internationale Mitarbeitende zu haben, die uns bereichern.“ 

Becker betonte außerdem: „Wir nehmen Demokratie und die Verteidigung der Demokratie ernst, und wir nehmen das Thema in Forschung und Lehre aktiv auf. Wir sind uns sehr bewusst, dass die Einschränkung von Demokratie eine ernsthafte Bedrohung für die Freiheit der Wissenschaft ist.“ Vorschriften, zu welchen Themen zu forschen sei und zu welchen Themen nicht geforscht werden dürfe, brächten niemanden voran und würden nicht dazu beitragen, gute Lebensbedingungen für künftige Generationen zu gewährleisten. 

Zum Ende ihrer Rede und ihrer Amtszeit stellte Rektorin Becker drei Fragen: Ist diese Universität eine andere als vor vier Jahren? Ist diese Universität eine bessere als vor vier Jahren? Wird sie in vier Jahren eine noch bessere Universität sein? Die Rektorin beantwortete alle drei Fragen mit „Ja“ und nahm schließlich noch einmal Bezug auf den Beginn ihres Beitrags: „Wir sind bereits eine exzellente Universität. Aber einer geht noch: Wir könnten uns auf den Weg machen, Exzellenzuniversität zu werden. Das Potenzial ist da. Und das heißt: Wir wollen ein zweites Cluster!“

Das war der Festtag an der MLU

Ein Höhepunkt des Festtags der Universität war neben dem Frühjahrsempfang in der Aula die Festveranstaltung für Promovierte und Habilitierte im Saal der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. „Heute ist der Tag, sich über Ihren Erfolg zu freuen“, sagte Becker den fast 70 Promovierten und einem Habilitieren, die an diesem Tag vor Ort sein konnten – verbunden mit ihrem Glückwunsch. Insgesamt wurden 2025 zehn Habilitationen und 304 Promotionen abgeschlossen, 60 Promovierte erhielten die Bestnote summa cum laude und damit die Luther-Urkunde der Universität. Die Prorektorin für Forschung, Internationalisierung und Transfer Prof. Dr. Christine Fürst übergab zudem während der Veranstaltung die Universitätspreise für besonders herausragende Arbeiten. Die Festrede mit dem Titel „Wie frei ist die Wissenschaft (noch)?“ hielt Leopoldina-Präsidentin Prof. Dr. Bettina Rockenbach.

Begonnen hatte der Tag im Botanischen Garten mit der offiziellen Verabschiedung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Ruhestand getreten sind. Den festlichen Abschluss bildete das Große Frühjahrskonzert in der Händel-Halle, gemeinsam gestaltet vom Universitätsorchester, dem Orchester der Medizinischen Fakultät, dem Universitätschor „Johann Friedrich Reichardt“ und der Uni-Bigband mit Musik in einer Bandbreite von Johann Sebastian Bach bis zum Soundtrack aus dem Kino-Hit „The Incredibles“. Die vier Universitätsensemble erhielten von der Vereinigung der Freunde und Förderer der Universität (VFF) jeweils 500 Euro als Unterstützung ihrer Arbeit. Zugleich wurden während des Konzerts Spenden der Besucherinnen und Besucher gesammelt: Rund 2.900 Euro kamen so für Deutschlandstipendien für Studierende der Universität zusammen.

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